Anlagenbau: Klein heißt nicht gleich einfach

Umbau im laufenden Betrieb
Transformation beginnt nicht selten mit einer Investition in Sicherheit und Prozesse – und entfaltet dann Wirkung weit über die Technik hinaus. Am Standort Weingarten entwickelt PPG seine Applikationsabteilung weiter, um Nasslackprüfungen unter realitätsnahen Bedingungen auch künftig effizient zu unterstützen. Ausgangspunkt war die Entscheidung von PPG, den gesamten Bereich der Lüftungs- und Klimatisierungstechnik neu zu gestalten, um die Rahmenbedingungen für kommende Anforderungen optimal auszurichten.
PPG nutzt die Investition zugleich, um Arbeitsabläufe zukunftsorientiert weiterzuentwickeln: Die Applikation zieht in das zweite Obergeschoss eines Bestandsgebäudes – direkt über die Qualitätskontrolle. Dadurch entstehen kürzere Wege, effizientere Prozesse und zusätzliche Kapazitäten. Ein neu geplanter Kleingüteraufzug verbindet beide Bereiche und erzielt eine reibungslose Schnittstelle. So entsteht ein moderner, funktionaler Bereich, dessen Umsetzung trotz laufendem Betrieb präzise gesteuert wird.
Aktuell befindet sich das Vorhaben am Übergang von der Planung in die Umsetzung: Mit Abschluss der Planungsphase und finaler Freigabe beginnt die Beauftragung der ausführenden Leistungen. Die Ausführung ist auf rund sechs bis acht Monate angelegt.
Hohe Anforderungen
Die Applikation ist auf definierte Umgebungs- und Sicherheitsbedingungen angewiesen, um Beschichtungsergebnisse unter kundenähnlichen Bedingungen zu prüfen. Da teilweise mit lösemittelhaltigen Medien gearbeitet wird, steigen die Anforderungen an Lüftung, Absaugung sowie an Explosionsschutz (ATEX) und Brandschutz. Diese Rahmenbedingungen prägen die Umbauplanung: Die Qualitätskontrolle im ersten Obergeschoss arbeitet während der Maßnahmen ohne Unterbrechung weiter. Ihre lufttechnische Versorgung muss dafür über eine technisch abgestimmte Interimslösung zuverlässig aufrechterhalten werden.
Für neue Lüftungsaggregate und Leitungsführungen sind Dach- und Deckendurchbrüche nötig, inklusive statischer Nachweise und Stahlbauerweiterungen; große Komponenten werden per Kran auf das Dach eingebracht. Wie stark solche Randbedingungen die Planung beeinflussen, zeigt auch ein Detail aus der Logistik: Vorgefertigte Fassschränke für lösemittelhaltige Medien erwiesen sich wegen ihres Gewichts von über einer Tonne und fehlender Einbringungsmöglichkeiten als nicht realisierbar. Stattdessen wurde eine projektspezifische Lösung mit eigenem Raum, Belüftung, Brandschutz und Auffangsystem entwickelt.
Trotz überschaubarem Projektvolumen ist die Zahl der beteiligten Gewerke hoch: Bau, Stahlbau, HVAC, Elektro, Brandschutz, ATEX, Druckluft, Lackierkabinenhersteller. Anders als bei Großprojekten erfolgt die Vergabe nicht über Generalunternehmer, sondern kleinteilig. Allein im Baubereich sind rund acht ausführende Firmen zu koordinieren. Zusätzlich erforderte die Anbindung der neuen Brandmeldeanlage an die bestehende Brandmeldezentrale frühzeitige Abstimmungen mit Sachverständigen.

Steuerung und Koordination im Projekt
Projekte dieser Art durchlaufen typischerweise drei Phasen – Initialisierung, Planung und Ausführung. THOST Projektmanagement wurde in der Planungsphase als externer Projektsteuerer eingebunden, als nach der Initialisierung deutlich wurde, dass zusätzliche Ressourcen für Koordination und Engineering erforderlich sind.
Zu den Aufgaben der Projektsteuerung zählten die Koordination der Fachplaner, das Schnittstellenmanagement sowie Termin-, Kosten- und Risikobetrachtungen. Zusätzliche Dynamik entstand durch den Wegfall des lokalen Projektleiters: Zugriffe auf interne Systeme mussten kompensiert und Entscheidungswege neu abgestimmt werden. Mit dem steigenden internationalen Abstimmungsbedarf wurden Dokumentation, Terminpläne und Reporting zudem zweisprachig geführt. Dies erleichterte die Übergabe an zusätzlich eingebundene interne Ressourcen.
Regelmäßige Koordinationsrunden dienten dazu, Abhängigkeiten zwischen den Gewerken frühzeitig sichtbar zu machen und Entscheidungen vorzubereiten. Bei technisch sensiblen Themen – etwa an der Schnittstelle zwischen Lüftungsplanung und Lackierkabinenhersteller – erfolgte die Abstimmung in engerer Taktung, um Risiken einzugrenzen und technische Lösungen abzusichern.
Das Projekt zeigt exemplarisch, warum kleinere Anlagenbau- und Umbauprojekte in der Praxis oft nicht weniger anspruchsvoll sind als Großprojekte: Die technischen Anforderungen bleiben hoch, der Betrieb läuft parallel weiter und durch kleinteilige Vergaben steigt die Schnittstellenlast. Gerade, wenn interne Ressourcen begrenzt sind oder Zuständigkeiten über mehrere Bereiche verteilt sind, entstehen Verzögerungen oft in Abstimmung, Freigaben und Koordination. So trägt eine klare Steuerung von Schnittstellen und Entscheidungswegen auch bei kleineren Vorhaben zur Stabilität des Projektverlaufs bei. Im vorliegenden Projekt wird aus der notwendigen Modernisierung so ein Transformationsschritt: mehr Sicherheit, klarere Abläufe und ein stabiler Betrieb auch während des Umbaus.
Kontakt zu den Autoren

