Warum gute Planung
mehr braucht als gute Planer

Es gibt kaum ein Architekturbüro, das es nicht kennt: Der Entwurf steht, die Idee überzeugt – und dann kommen Terminplanung, Abstimmungen mit den Fachplanern, Dokumentation, Kostenplanung- und -fortschreibung. Plötzlich ist man mehr mit Excel beschäftigt als mit Architektur. Im gängigen HOAI-Leistungsbild ist der Planer verpflichtet, all diese Themen mit abzubilden. Das wird oft unterschätzt und deswegen brennt es aufgrund mangelnder Zeit und Ressourcen oft in vielen Projekten. Hinzu kommt die eigene Vertragsführung, um auf geänderte planerische Anforderungen zu reagieren und die Wirtschaftlichkeit des Projektes sicher zu stellen.
Planer wollen gestalten, nicht verwalten. Doch wer baut, muss heute Verträge führen, Kosten dokumentieren, Termine koordinieren, Qualität sichern und Risiken bewerten. Besonders bei komplexen Projekten mit vielen Fachplanern und engen Auftraggebervorgaben stoßen selbst erfahrene Teams an organisatorische Grenzen. Im laufenden Projektgeschehen bleibt oft zu wenig Zeit für saubere Strukturen. Dokumentationen geraten lückenhaft, Terminpläne werden zu ehrgeizig, eigene Nachträge sind schwer zu begründen, und Kostenabweichungen fallen häufig erst spät auf. Nicht aus fehlender Sorgfalt, sondern weil die Vielzahl an Aufgaben kaum zu bewältigen ist.
Unterstützung, wo sie gebraucht wird
- Organisation & Administration
Planung braucht Struktur, und zwar von Anfang an. Dazu gehören internes Management, die „Planung der Planung“ und das Nachhalten von Aufgaben. Die Objektplanung koordiniert zudem sämtliche Fachplaner – eine Aufgabe, die leicht unterschätzt wird. Eine saubere Organisation schafft Transparenz und Verbindlichkeit im gesamten Planungsprozess. - Terminplanung & -überwachung
Die Terminplanung umfasst nicht nur Bauzeiten, sondern auch die Abstimmung der Fachdisziplinen sowie die interne Ressourcenplanung, greift in den BIM-Abwicklungs-Plan (BAP) ein, Planungs- und Bauausführungstermine sowie die Bauüberwachung und die Mitwirkungshandlungen des Bauherrn. Workshops mit Bauherren, Planungsbeteiligten und Baugewerken helfen, realistische und tragfähige Zeitpläne zu entwickeln. - Kostenplanung & -überwachung
In der Zielfindungsphase gilt es, Kostenziele mit Qualitäts- und Terminanforderungen zu verknüpfen. In der Vorentwurfs- und Entwurfsplanung folgen Kostenschätzung und -berechnung – bis hin zum Preis-Leistungsverzeichnisses in der Vorbereitung der Vergabe. Wenn die Kapazität oder Erfahrung dafür fehlt, kann Unterstützung bei der Kostenermittlung und -überwachung helfen, Abweichungen früh zu erkennen und Prognosen belastbar zu halten. - Vertragsmanagement
Der eigenen Vertrag begleitet das Projekt von der Idee bis zur Abnahme. Er muss aktiv geführt werden, nicht nur unterzeichnet. Das beginnt mit der Angebotsphase, umfasst die Nachtragsführung während der Umsetzung und endet erst mit der Abnahme. Dies erfordert die erforderliche kaufmännische und vertragsrechtliche Kompetenz sowie die projektbegleitende personelle Kapazität und weiterführend das Bewusstsein, dass die eigene Vertragsführung maßgeblich für den wirtschaftlichen Erfolg des Projektes ist. - Forderungsmanagement
Das Forderungsmanagement ist wesentlicher Bestandteil der Vertragsführung. Änderungen des vertraglichen Solls müssen identifiziert, Nachträge formuliert und ggü. dem Bauherrn durchgesetzt werden. Umgekehrt müssen Gegenforderungen der Bauherrenschaft abgewehrt werden. Grundlagen sind hier eine saubere Dokumentation sowie eine belastbare und stets aktualisierte Kosten- und Terminplanung. Nachträge sind zeitnah und vor Leistungserbringung geltend zu machen. Dabei besteht das Risiko einer Nichtvergütung der Leistung sowie im kaufmännischen Sinne das Risiko für einen schlechten Preis. Ein kompetentes, strukturiertes und mit den notwendigen Kapazitäten ausgestattetes Claims Management ist hier weniger juristische Pflicht als wirtschaftliche Notwendigkeit. - Änderungsmanagement
Änderungen an Planung, Ausführung oder Vertrag müssen nachvollziehbar dokumentiert und bewertet werden. Eine klare Nachverfolgung dieser Anpassungen ist entscheidend, um Projektrisiken hinsichtlich Kosten, Termine und Haftung zu begrenzen sowie Grundlage eines erfolgreichen Forderungsmanagements. - Qualitätsmanagement
Ob Erläuterungsberichte zu Kosten und Plänen passen, Planstände sauber geführt oder Unterlagen konsistent und vollständig sind: Ein strukturiertes Qualitätsmanagement reduziert Fehlerquellen und schafft Sicherheit für alle Beteiligten. - Dokumentation
Dokumentation beginnt mit der Besprechungsorganisation, umfasst die Protokollierung, die Koordination der Fachplaner und endet mit der systematischen Zusammenstellung aller Arbeitsergebnisse am Ende einer Leistungsphase. Eine vollständige Projektdokumentation stellt sicher, dass Wissen erhalten und nachvollziehbar bleibt und ist ebenfalls für ein erfolgreiches Forderungsmanagement unabdingbar. - Beratungsleistungen
Planer haben eine weitreichende Beratungspflicht gegenüber dem Bauherrn, etwa zu Risiken, Zielkonflikten, technischen Alternativen und Honoraren. Wenn beispielsweise von anerkannten Regeln der Technik abgewichen werden soll, müssen die Folgen fachlich eingeordnet und dokumentiert werden. Die Beratungspflichten zu kennen, zum gegebenen Zeitpunkt durchzuführen und zu dokumentieren ist Grundlage einer mangelfreien Planungsleistung und einer wirtschaftlichen Projektumsetzung.
Zwischen Anspruch und Alltag
Planung wird komplexer und Verantwortung größer. Wer hier strukturiert arbeitet, schützt das Projekt und sich selbst. Professionelle Unterstützung bei Organisation, Termin-, Kosten- oder Vertragsfragen ist daher kein Zusatz, sondern ein Beitrag zur Qualitätssicherung und letztlich zur Wirtschaftlichkeit.
Gute Planung heißt heute: Fachlich stark sein, wirtschaftlich denken und rechtzeitig entlasten, bevor es eng wird.
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Dr. Thomas Bahnert
Dr.-Ing. Architekt
Leiter Center of Competence Vertragsmanagement
Honorarsachverständiger